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Die Ausbildung der Wasserturmführer entstammt einem Konzept der Hauptschule Stadtmitte im Rahmen der EXPO 2000

1. Ziel

Die SchülerInnen bekommen durch die Führungen sehr viele verschiedene Erfahrungen im Umgang mit Menschen aller Altersstufen und Bildungsschichten. Das erfolgreiche eigene Erleben im Umgang mit den unterschiedlichen Gästen stärkt nicht nur das Selbstbewußtsein, es übt auch die Selbstwahrnehmung und unterstützt die Fähigkeit der Selbstdarstellung. Somit stehen nur auf den ersten Blick die unmittelbaren Lerninhalte wie Stadtgeschichte und Wassertechnik im Vordergrund. Viel bedeutender sind langfristige und persönlichkeitsfördernde Erfolge für das zukünftige Leben der Jugendlichen.

2. Vorbereitung der zukünftigen FührerInnen während des 9. Schuljahres

Damit die SchülerInnen sich später bei den Führungen als Experten sicher fühlen, ist es nötig, sie im Vorjahr umfassend vorzubereiten. Dazu gehören inhaltliche wie persönlichkeitsfördernde Maßnahmen.

Je nach Planung, bzw. Vorhaben und Kapazitäten der LehrerInnen kann die Ausbildung der für den Wasserturm notwendigen Fertigkeiten im Bereich einer Arbeitsgemeinschaft (AG) und / oder eines Wahlpflichtkurses (WPK) vermittelt werden. In jedem Fall ist es notwendig, daß sich am Ende der 9. Klasse die SchülerInnen ihren Aufgaben gewachsen zeigen.

2.1. Inhaltliche Vorbereitung

Ein erster wichtiger Schritt ist die direkte Erschließung des eigenen Lebensraumes in der Stadt Lüneburg. Hierzu haben sich Stadtrallyes bewährt. Damit lernen die SchülerInnen, sich nicht nur von oben vom Turm aus zu orientieren, sondern auch sicher in den verschiedenen Teilen der Stadt zu bewegen. Die historischen Bauwerke und die Hauptverbindungslinien, die die Besucher des Turmes später interessieren, sollten dabei Anlaufpunkte sein. Mit den Rallyes wird das Wissen um den Lebensort vertieft und die Souveränität in der Vermittlung gestärkt.

Um die Wertigkeit einer Führung beurteilen zu können, sollten die SchülerInnen möglichst viele Führungen selbst besuchen und im Anschluß diskutieren: welche Informationen wurden vermittelt, war alles verständlich, wie hat sich der Führer dargestellt, fühlten sich die SchülerInnen angesprochen, was war gut und was war weniger gelungen? Anbieten würden sich z.B. Stadtführungen, geführte Besuche in den verschiedenen Museen Lüneburgs, im Rathaus, den Kirchen, aber auch beim Klärwerk und der Avacon.

Bereits in der Vorbereitungsphase sind häufige Besuche des Wasserturms ein wichtiger Bestandteil. Die SchülerInnen werden damit im Gebäude heimisch. Orientierungsübungen als Ergänzung zu den Rallyes bieten sich an.

Alle gelernten Inhalte müssen regelmäßig evaluiert werden. Die erste Instanz dabei ist die Gruppe selbst. Wichtig sind selbstverständlich auch die betreuenden LehrerInnen. Wenn vor diesen Gremien eine gewisse Sicherheit erreicht ist, können die aktiven FührerInnen der 10. Klassen eingeladen und deren Feedback eingeholt werden. Dabei sollten die Vertiefungen der Inhalte stets prozeßhaft verstanden und Anregungen und Kritik konstruktiv eingebaut werden.

Eine Generalprobe vor Fremden ist eine weitere Etappe der Vorbereitung. Dabei sollte man versuchen, gleich eine gewisse Durchmischung von Altersstufen und Gruppengröße zu erreichen. Nach der Führung dieser ersten unbekannten Besucher, ist ein Gespräch zur gegenseitigen Wahrnehmung hilfreich. In diesen Zusammenhang gehören auch unentgeltliche Probeführungen für SchülerInnen aus anderen Klassen der Hauptschule oder Orientierungsstufe, für Lehrer oder auch Kinder- und Jugendgruppen von außen, für Verwandte oder wen auch immer.

Wichtig sind immer wieder Referate als Übung für die zukünftigen FührerInnen. Hierbei haben die Gruppenmitglieder den Arbeitsauftrag, grundsätzlich mitzuschreiben. Auf diese Weise wird gelernt, wesentliches von unwesentlichem zu unterscheiden und eigene Schwerpunkte zu erkennen und zu vertiefen. Die Referierenden formulieren ihrerseits zusammenfassende Handouts und geben diese im Anschluß an ihren Vortrag raus. Damit wird nicht nur die Unterscheidung von Schrift- und Sprechsprache vertieft, sondern auch die Fähigkeit, die Kernaussagen des eigenen Referates zu begreifen und das Gelernte für sich selbst "auf den Punkt" zu bringen.
Die Gruppe diskutiert die aus diesem Vorgehen variierenden Ergebnisse zu einem Thema. Dabei sollten durchaus gleiche Themen von verschiedenen Leuten vorgetragen werden. Der möglichst häufige Vortrag vor der vertrauten Gruppe stärkt die Sicherheit im Lernstoff und dessen Vermittlung. Das gleiche gilt für gegenseitige Führungen durch den Turm. Die Vorbereitung eines Themas darf keinesfalls arbeitsteilig angegangen werden, denn so besteht die Gefahr der selektiven Wahrnehmung: jeder muß sich in seinem Arbeitsbereich alles selbst erschließen.

Nach der getrennten Vorbereitung der Erklärung von Stadtbild und Wassertechnik ist die Zusammenführung der beiden Untergruppen wichtig. Da die SchülerInnen später immer im Team arbeiten, ist die Vertrautheit mit der Persönlichkeit des späteren Partners und dessen Führungsinhalten ein wichtiger Aspekt für die gemeinsame Vermittlung an die Gäste. Ein Weg dorthin sind gegenseitige Führungen der Untergruppen füreinander.

"Döntjes" sind nicht nur amüsante Geschichten. Den SchülerInnen geben sie eine gute Gedächtnisstütze und lockern den sonst schnell trockenen Stoff auf. Zudem hören auch die Besucher gern Anekdoten über die Stadt und die Wasserversorgung. Hilfreich ist es sicherlich, die schulische Projektwoche für die Vorbereitung einzubeziehen. In diesem Rahmen besteht die Möglichkeit, sich intensiv innerhalb der Gruppe mit den Lerninhalten zu beschäftigen. Auch bietet sich dieser Zeitrahmen an, um zur Vertiefung zum Beispiel externe Experten einzubeziehen. So können neue Aspekte aufgegriffen und sofort in das persönliche Konzept der jeweiligen SchülerInnen eingebaut werden.

2.2. Persönlichkeitsförderung

Um zunächst ein Gruppengefühl zu erreichen und sich als Team zu verstehen, sind Workshops sehr hilfreich. Besonders in der Anfangsphase der Vorbereitung können damit gegenseitige Hemmungen abgebaut werden.
Dem selben Ziel dienen Interaktionsübungen, Rollenspiele und Sprechübungen. Trainiert werden so persönliche Ausdrucksformen, die Sicherheit in der Gruppe und die Fähigkeit spielerisch mit ernsthaften Inhalten umzugehen. Interessant wäre zu diesem Zweck vielleicht auch ein Kontakt zum Theater oder einem Theaterpädagogen (theater im e.novum / Stadttheater / Kunstschule Ikarus), die mit einschlägigen Erfahrungen die SchülerInnen ermutigen und ihnen gleichzeitig die erforderliche Selbstbestätigung geben könnten.

Gesten des Hin-führens und des Hinweisens sollten ebenso einstudiert werden, wie Formulierungen von Begrüßung, Einleitung und Abschied. Die ersten Worte sind erfahrungsgemäß die schwierigsten. Eine vorbereitende Konzentration auf diese Situation ist deshalb sinnvoll.

Wie verhalte ich mich gegenüber Besuchern, welche Kleidungsstücke sind vielleicht während einer Führung unangemessen? Verhaltenssicherheit, Umgangsformen und angemessene Bekleidung sind in der Begegnung mit Gästen (und überhaupt Öffentlichkeit) von großer Bedeutung. Damit nicht schon in den ersten fünf Minuten einer Führung die SchülerInnen auf Ablehnung stoßen, sollten die Tabus erarbeitet werden. Hierzu gehört zum Beispiel, daß die SchülerInnen während der Führung nicht Kaugummi kauen, sich nicht gegenseitig anpöbeln, in der Lage sind, angemessene Worte zu wählen, höflich sind und den Gästen fürsorglich begegnen. Eine alte Dame braucht vielleicht Hilfe bei der Wendeltreppe, Türen werden aufgehalten, mancher entwickelt unter Umständen Höhenangst im Tank. Es erfordert Übung, sich den Geführten zuzuwenden. Grundkenntnisse von Körpersprache können hilfreich sein. Wie kann man den Besuchern Aufmerksamkeit signalisieren und gleichzeitig ihre erreichen? Welche Bedeutung hat der Blickkontakt im zwischenmenschlichen Umgang? Ein angemessen freundlicher Umgang mit den Gästen ist oberstes Gebot.

Gleichzeitig ist es notwendig, sich auch für den Turm verantwortlich zu fühlen und den Gästen zu vermitteln, daß man hier Hausrecht besitzt. Die SchülerInnen sollten sich so sicher fühlen, daß sie sich trauen, zum Beispiel Kindern, die auf der Balustrade der Plattform herumklettern dies untersagen oder auch Erwachsene bei Fehlverhalten um Unterlassung zu bitten.

All dies gehört zur Einübung von professionellem Verhalten. Hierzu zählt auch Zuverlässigkeit. Wenn ein/e SchülerIn für einen Führungstermin eingetragen ist, ist er oder sie auch für dessen Zustandekommen eigenständig verantwortlich. Sollte er oder sie aus irgendwelchen Gründen nicht in der Lage sein, diesen einzuhalten, so muß es eine Selbstverständlichkeit sein, den oder die LehrerIn zu benachrichtigen oder noch besser sich um eine Vertretung zu bemühen.

Ebenso bedeutend ist Pünktlichkeit. Eine Gruppe, die auf ihre/n FührerIn warten muß, wird in der Regel ziemlich schlechter Stimmung sein. Dies erschwert nicht nur die Arbeit des / der SchülerIn, sondern fällt als Negativimage auf das gesamte Projekt zurück.
Die hierbei erlernten Fähigkeiten sind nicht nur für die Rolle der SchülerInnen im Wasserturm, sondern auch für das Leben nach dem Verlassen der Schule und das Eintreten in Ausbildung und Beruf absolute Schlüsselqualifikationen.
Entsprechend gilt für die gesamte Phase der Einbindung der SchülerInnen in das Projekt Wasserturm die Förderung der Entwicklung eines Verantwortungsgefühls. Als Gruppe mit starkem Wir-Gefühl sollte auch eine Unterstützung der Schwächeren möglich sein. Die SchülerInnen sollten darin trainiert werden, zusammen zu halten und sich Beistand geben zu können, wenn es mal schwierig ist. Daraus würde dann die Möglichkeit gegenseitiger Vertretung im Krankheits- oder Verhinderungsfall resultieren. Sie erlernen kooperative Verläßlichkeit.

Ein wichtiger Punkt der Vorbereitung bezieht sich auf mögliche kritische Situationen mit Besuchern. Es kann Leute geben, die es den SchülerInnen schwer machen. Die betroffenen FührerInnen sind dann auf die Unterstützung durch LehrerInnen und MitschülerInnen angewiesen - inhaltlich und emotional. Deshalb sollten die SchülerInnen versuchen, die Souveränität zu entwickeln, auch mit Gruppen umzugehen, die nicht zuhören, unkonzentriert oder überkritisch sind. Rollenspielübungen können dies vorbereiten.

Damit es möglich ist, sich innerhalb der Gruppe gegenseitig den Rücken zu stärken, muß in der Gruppe eine offene Vertrauenssituation vorhanden sein. Nur dann besteht die Möglichkeit für den Einzelnen seine Unsicherheiten zu äußern und Rückschläge zuzugeben. Einen angemessenen Raum für Konflikte (auch innerhalb der Gruppe) zu schaffen, ist deshalb überaus wichtig.

Die LehrerInnen haben hierbei eine wichtige Rolle inne. Ihre Aufgabe beläuft sich nicht nur auf die Wissensvermittlung, sondern vor allem das Motivieren und Bestätigen der SchülerInnen: sie brauchen immer wieder viel Lob und Anerkennung. Die Pädagogen sollten versuchen, den SchülerInnen einen Vertrauensvorschuß zu geben, damit sie sich ernst genommen und anerkannt fühlen.

Mit Kritik, auch von Seiten der MitschülerInnen ist sehr vorsichtig umzugehen. Ein behutsamer Umgang mit Schwächen und Fehlern ist für die Steigerung der Leistungen und des Selbstbewußtseins sehr hilfreich, während ein vernichtendes Urteil an einer derartigen exponierten Stelle wie der Öffentlichkeit des Wasserturms leicht als absoluter Mißerfolg von den SchülerInnen interpretiert werden kann. Damit würde der Grundgedanke des Konzepts hinfällig und ein totaler Rückzug der SchülerInnen wäre die Folge.

Die LehrerInnen sind im Prozeß der Vorbereitung der Wasserturmführungen nicht nur Anleitende, sondern außerdem Bestandteil der Gruppe. Sie sollten bei vorbereitenden Spielen mitmachen und sich bewußt aus der Gruppendynamik als Akteure herausziehen, um die Verantwortung an die Jugendlichen abgeben. Im Wasserturm werden die SchülerInnen die Rolle des Experten besitzen, die LehrerInnen sollten die Gruppenleitung deshalb auch mal an die Jugendlichen delegieren und den eigenen Vortrag evaluieren lassen.

Ziel ist im gesamten Projekt die Steigerung der Fähigkeiten der SchülerInnen zu professionellen FührerInnen. Entsprechend kann dieser Prozeß nicht in jeder Hinsicht vor den Pädagogen halt machen. Hilfreich ist in diesem Zusammenhang sicher immer ein Austausch zwischen den Lehrern des alten Teams und denen des neuen. So können Erfahrungen und Anregungen weitergegeben werden.

2.3. Fachleute von außen

Es gibt eine Fülle von Berufsgruppen, die man sinnvoll zur Unterstützung bei der Vorbereitung und Umsetzung von Schülerführungen einsetzen kann. Zu nennen wären Theater-, Tanz- und Gesangspädagogen, auch Gestalttherapeuten und Stimmbildner, die bei der Erlernung von Ausdruck und Sprachvermögen wertvolle Anregungen geben können. Im Konfliktfall ist es vielleicht sinnvoll Supervisoren oder Mediatoren zu Rate zu ziehen.
Inhaltlich können die professionellen Stadtführer weiterhelfen und auch ehemalige Mitarbeiter des Wasserturms, vor allem der letzte Wassermeister Herr Johann Gross. Über eine Vielzahl von Erfahrungen und Kenntnissen verfügen auch die ehemaligen SchülerInnen, die nach einem Jahr Wasserturmführungen den Nachrückenden gute Ratschläge geben können.
Möglich wären auch Kontakte zu Video- und Audiofachleuten, die Vorbereitungsstunden oder Führungen aufzeichnen. Solche Mitschnitte erleichtern die Wahrnehmung von sich selbst und sind gleichzeitig eine gute Übung, denn das Sprechen vor dem Mikrophon und das Agieren vor der Kamera erfordert ähnlichen Mut, wie das aktive Zugehen und die Vermittlung von Wissen mit Fremden.

2.4. Einweisung neuer FührerInnen durch den vorangehenden Jahrgang

Schon im Vorfeld der Wasserturm-Arbeitsgemeinschaft sollten die aktuellen FührerInnen die Neuen durch den Wasserturm leiten, damit diese sich eine Vorstellung von den sie erwartenden Aufgaben machen können. Sinnvoll sind Gruppen von sechs bis acht Neulingen, die von vier Erfahrenen betreut werden. Denkbar wäre eine Einteilung in drei Sitzungen: Führung, Besprechung und die Weitergabe von Tips und Tricks in der Praxis.
Der Kontakt zwischen den jüngeren und älteren SchülerInnen sollte ähnlich einer Patenschaft verstanden und als Einführung sowie langsame Übergabe der Verantwortung von den LehrerInnen beider Gruppen gefördert werden.
Ein Mitlaufen der Neulinge ab den Osterferien bei den Führungen ist förderlich. Ebenso, daß besonders Fortgeschrittene der Nachrücker in Notfällen für die Vorgänger einspringen. Damit wird eine langsame Übergabe erreicht und ein abrupter Wechsel vermieden. Hinzu kommt, daß sich die SchülerInnen der 10. Klasse in diesem Zeitraum zunehmend auf ihre Abschlußprüfungen vorbereiten (müssen) und eine Entlastung schon aus diesem Grund wünschenswert wäre.

3. Organisatorische Umsetzung der Führungen

Vieles leitet sich aus den bisherigen Abschnitten ab, so daß hier nur noch Ergänzungen vorgenommen werden.

Für durchgeführte Führungen werden die SchülerInnen bezahlt.  Durchschnittlich dauert eine Führung eine dreiviertel Stunde. Derzeitig erhalten die SchülerInnen also je Führung 4,00 Euro. Wenn eine Gruppe trotz Buchung nicht kommt, die SchülerInnen aber eigens von zu Haus gekommen sind, erhalten sie ein Ausfallhonorar von 4,00 Euro.

Als sinnvolle maximale Gruppenstärke je Team haben sich rund 15 Besucher herausgestellt. Größere Gruppen werden geteilt und mit entsprechend weiteren Teams geführt. Die Entzerrung der parallel laufenden Führungen innerhalb des Gebäudes wird dadurch erreicht, daß ein Teil mit dem Film, der andere dagegen auf der Plattform beginnt. Bei mehr als vierzig Personen gleichzeitig bemüht sich das Büro, zeitliche Verschiebungen zu ermöglichen.

Sinnvoll ist die Erstellung einer Telefonliste, die in Wassertechniker und Stadtbilderklärer aufgeteilt ist. Enthalten sein sollten auch die Telefonnummern der LehrerInnen und des Wasserturms und einer dortigen Ansprechperson, deren Privatnummer vorliegt. Diese Liste wird an jeden Jugendlichen aus der Gruppe verteilt, zudem an die LehrerInnen und das Wasserturm-Büro. Damit kann im Notfall jeder jeden erreichen.

Verläßliche Ferien- und Wochenpläne müssen im Vorfeld erstellt werden und allen Beteiligten vorliegen. Eine Abdeckung des ständigen Führungsangebots am Mittwoch 15.00 Uhr und am Samstag 11.00 Uhr ist zu gewährleisten.

Im Büro eingehende Anmeldungen für Gruppenführungen werden im Lehrerzimmerfach abgelegt. Eine regelmäßige Kontrolle von Seiten der LehrerInnen ist entsprechend notwendig. In Ferienzeiten kann die Weitergabe der Termine auch telefonisch erfolgen.

Die SchülerInnen sollten im Turm bei den Führungen Buttons mit ihrem Namen tragen. Diese erfüllen zwei Aufgaben: zum einen sind die Jugendlichen dadurch für die Besucher persönlich ansprechbar, zum anderen weisen sie die SchülerInnen als Experten aus.

Die Anwesenheit der betreuenden LehrerInnen bei den Führungen ist notwendig. Sie brauchen nicht zwangsläufig offen präsent sein, sondern können auch in der Nähe auf die SchülerInnen warten. Ihre Gegenwart ist für die Jugendlichen ein Ausdruck von Loyalität und gibt ihnen die Gewißheit, daß ein Erwachsener im Konfliktfall einschreiten kann. Das Dasein der LehrerInnen ist gerade bei Unsicherheiten eine wichtige psychologische Rückenstärkung.

Immer wieder angedacht ist die Vorbereitung eines "Beschwerdezettels" für die Besucher. Falls sich die SchülerInnen in der Situation sehen sollten, eine Führung abbrechen zu wollen, könnten sie die Zettel den Geführten überreichen und bräuchten in keine Diskussion oder direkte Auseinandersetzung einsteigen. Die Gäste könnten ihre Anregungen und ihre Kritik so schriftlich festhalten und an der Kasse zur Weiterleitung abgeben.

Jede Gruppe muß um Konflikten vorzubeugen für sich im Konsens klären, wie mit Trinkgeldern umgegangen werden soll. Es sind verschiedene Modelle denkbar: das Geld wird gesammelt und gemeinsam ausgegeben, es gehört dem, der es erhält oder dem entsprechenden Team oder wie auch immer. Dies sollte bereits vor dem ersten Trinkgeld abgesprochen sein.

Falls es zu der Situation kommt, daß eine Gruppe von FührerInnen ihre Verpflichtungen gegenüber dem Wasserturm nicht erfüllen kann, ist ein offener Umgang mit dieser Notlage notwendig. In diesem Moment werden externe "Profis" eingesetzt: ehemalige SchülerInnen, Johann Gross (letzter Wassermeister), Stadtführer, Studenten oder jemand vom Trägerverein.

4. Diverses

Vor dem Ausscheiden der 10. Klassen aus der Schule wird mit den SchülerInnen geklärt, wer von ihnen auch weiterhin für Führungen durch den Turm zur Verfügung steht. Diese Namen werden in einer Liste festgehalten, die dem Wasserturm-Büro übergeben wird. Bei Engpässen werden diese Ehemaligen angerufen, regulär eingesetzt und bezahlt.

Die Ausscheidenden erhalten vom Wasserturm-Büro ein Zeugnis über ihre Tätigkeiten, das sie ihren Bewerbungsunterlagen beifügen können. Darin wird auch bescheinigt, welche Aufgaben sie über die normale Führungstätigkeit hinaus übernommen haben. Zum Beispiel, wenn sie Besucher in Englisch durch den Turm leiteten.

Da sie sehr oft nachgefragt werden, wären Führungen in Englisch ein sehr wichtiger Lerninhalt. Ziel ist dabei nicht, daß diese perfekt sind, sondern die Touristen eine grobe Einführung in Stadtbild und Wassertechnik erhalten. Die Freude dieser Gäste in Englisch von SchülerInnen geführt zu werden, bewirkt eine hohe Toleranz gegenüber sprachlichen Fehlern. Für die Jugendlichen ist es also eine starke Ermutigung, sich zu trauen, sich in einer Fremdsprache auszudrücken. Das Erfolgsgefühl, das die betreffenden SchülerInnen im laufenden Jahrgang nach der Überwindung der Ängste erhalten haben, ist Ausdruck dafür, wie sinnvoll diese Führungen sind. Diese Erfolge wirken sich mit Sicherheit auch langfristig auf ihren Umgang mit fremdsprachigen Menschen aus. Wünschenswert wären vier SchülerInnen pro Jahrgang, die sich sicher genug fühlen, zwei wären eigentlich notwendig.

Zeitweilig kommt es im Wasserturm-Büro zu Engpässen, weil die Personaldecke sehr dünn ist. Daher kann in solchen Situationen eine Unterstützung durch die SchülerInnen und LehrerInnen notwendig sein. Das Gefühl der Mitverantwortlichkeit sollte sich nicht ausschließlich auf die Führungen konzentrieren, sondern grundsätzlicher verstanden werden. Die SchülerInnen sollten deshalb bereit sein, auch unentgeltlich hin und wieder gewisse zusätzliche Aufgaben zu übernehmen: zum Beispiel Fotokopieren, Flugblätter und Plakate in der Stadt verteilen oder ähnliches.

Im Rahmen der wechselnden Sonderausstellungen ist es wünschenswert, wenn die SchülerInnen sich zumindest ansatzweise einarbeiten. Dies bedeutet, daß sie in der Lage sind, zu jeder Ebene einige Worte zu sagen. So, welcher Künstler hier ausstellt oder welches Thema die jeweilige Ausstellung hat. Sie sollen keineswegs durch die Ausstellungen führen können müssen! Aber ein schweigendes Übergehen der unter-schiedlichen Angebote innerhalb des Turmes macht auf Besucher keinen guten Eindruck: manche kommen vor allem deshalb (insbesondere die, die nicht zum ersten Mal den Wasserturm besuchen).

Jeder Jahrgang kann über die regulären Führungen hinaus seine eigenen Schwerpunkte setzen und eigene Modelle entwickeln.
Denkbar wären so zum Beispiel Führungen in den verschiedenen Muttersprachen von aus dem Ausland zugewanderten Schülern. Mit entsprechender Werbung durch das Wasserturm-Büro könnten so besondere Zielgruppen erreicht werden. Möglich wäre so die Stärkung des Selbstbewußtseins als "Doppelstaatsbürger" für die Jugendlichen. Eine solche Sonderveranstaltung kann für alle Beteiligten sehr erfolgreich sein.
Es steht den SchülerInnen frei, eigene Projekte in, um und mit dem Wasserturm zu entwickeln - vielleicht mal einen Kindergeburtstag oder was auch immer. Es ist ein grundsätzliches Ziel, die Jugendlichen zu ermutigen, ihre Phantasie spielen zu lassen, konkrete Vorschläge zu machen und diese umzusetzen.

Darüber hinaus sind nicht nur SchülerInnen der 9. oder 10. Klassen angesprochen, sich in das Wasserturmprojekt einzubringen. So können sich einzelne genauso wie Klassen zum Beispiel im Rahmen von Sonderausstellungen aktiv beteiligen. Sie könnten Exponate beisteuern und spezielle Führungen zu einzelnen Themenkomplexen anbieten. Auf diese Weise kann die Zusammenarbeit zwischen der Schule und dem Wasserturm punktuell verstärkt werden und (jüngere) SchülerInnen erhalten die Gelegenheit, sich außerhalb der Gruppe der regulären WasserturmführerInnen zeitlich befristet und themenzentriert einzubringen. Die Aufgabe des Wasserturm-Büros ist es, solche Ambitionen aufzugreifen und zu unterstützen. Da der Turm grundsätzlich als Lernort für die SchülerInnen der Hauptschule Stadtmitte ausgebaut und verstanden werden soll, können noch viele verknüpfende Projekte entwickelt werden.